Betroffenenverbände fordern staatliche Kontrolle der kirchlichen Aufarbeitung von Missbrauch

Pressemitteilung veröffentlicht am 14. Januar 2026

Bei einem Treffen mit Hubertus Heil im Bundestag kritisierten sie die massive Unterversorgung von Betroffenen und die mangelnde Unabhängigkeit kirchlicher Verfahren. Ihre zentrale Forderung: verbindliche staatliche Leitplanken, damit Aufarbeitung und Anerkennungsleistungen endlich wirksam und transparent werden.

Treffen mit Hubertus Heil im Bundestag
Vertreter:innen von Betroffenenorganisationen aus dem Kontext sexuellen Missbrauchs in der Katholischen Kirche haben sich am Montag mit Hubertus Heil, dem religionspolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, zu einem intensiven Austausch im Deutschen Bundestag getroffen.

Massive Unterversorgung von Betroffenen
Ein zentrales Thema des Gesprächs war die alarmierend niedrige Quote von Antragsteller:innen sogenannter „Leistungen in Anerkennung des Leids“. Die Dunkelfeldstudie des Zentrums für Interpersonale Gewalt (ZI) Mannheim vom Mai 2025 beziffert die Zahl der Betroffenen aus dem katholischen Kontext auf etwa 100.000 Personen. Jedoch haben nur 2,6 Prozent davon einen Antrag im bisherigen Verfahren gestellt – ein deutliches Zeichen für die eklatante Fehlsteuerung des gegenwärtigen Systems.

Forderung nach Unabhängigkeit und staatlicher Kontrolle
Die Betroffenenorganisationen machen klar: Viele Betroffene weigern sich, sich auf intransparente Verfahren bei der Organisation der Täter – der Kirche selbst – einzulassen. Sie fordern deshalb:

  • Unabhängige, von kirchlichen Strukturen getrennte Beratungsangebote für Betroffene für Leistungen nach UKA Verfahren, SGBVII und SGB XIV (geschulte Verfahrenslotsen, wie im Abschlussbericht des Runden Tisches Kindesmissbrauch schon 2013 vorgesehen)
  • Eine unabhängige Beschwerdestelle außerhalb kirchlicher Kontrolle
  • Staatliche Kontrolle für die Aufarbeitungsbemühungen der Kirchen, die über den freiwilligen Rahmen der bisherigen „Gemeinsamen Erklärung" hinausgehen – orientiert an internationalen Modellen wie dem spanischen Vorbild

Die zentrale Botschaft lautet:
„Die Kirche schafft es nicht alleine und braucht staatliche Leitplanken."

Kontinuierlicher Dialog notwendig
Das Gespräch fand in einer zugewandten und intensiven Atmosphäre über 90 Minuten statt und wird von den beteiligten Organisationen als wichtiger Schritt hin zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit den strukturellen Versäumnissen bewertet. Ein weiteres zentrales Thema war die dringend nötige Fortsetzung des Fonds Sexueller Missbrauch. „Ein guter Aufschlag, um auch in der Politik mehr für alle Betroffene zu erreichen."

Kontakt zum Betroffenenrat Nord

Max Ciolek, Sofia Manti, Nicole Sacha

presse@betroffenenrat-nord.de

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