Als Betroffenenrat Nord, die unabhängige Vertretung für Betroffene von sexuellem Missbrauch in den (Erz-)Bistümern Hildesheim, Hamburg und Osnabrück, gratulieren wir dem Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer zur Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofkonferenz. Wir wünschen Bischof Wilmer viel Kraft für seine neue Aufgabe.
Dass Bischof Wilmer die Betroffenen von sexualisierter Gewalt in seinem ersten Pressestatement deutlich erwähnt und ihren Stimmen hören möchte, macht uns Hoffnung, dass er der Aufarbeitung in den Gesprächen mit seinen Amtskollegen neues Gewicht geben wird.
Neben den fehlenden Informationen betroffener Gemeinden zu Tätern in ihrer jeweiligen Historie oder den oft nicht vorhandenen Disziplinarordnungen für Kleriker in den Bistümern haben unsere Mitglieder weitere Erwartungen an ihn als Vorsitzenden:
„Im Rahmen unserer Gespräche mit Bischof Wilmer haben wir die Kritik am intransparenten Verfahren der Deutschen Bischofskonferenz zur Anerkennung des Leids vielfach vorgetragen und ihn gebeten, sich für eine Reform einzusetzen. Bisher wurde auf die DBK verwiesen. Ich setze nun darauf, dass er sich als deren Vorsitzender für Reformen einsetzt“, so Nicole Sacha aus unserer Regionalgruppe Hildesheim. Sofia Manti aus Hamburg ergänzt: „Auch die unabhängigen Ansprechpersonen und Anlaufstellen für Betroffene sollte Bischof Wilmer auf DBK-Ebene in den Blick nehmen. Diese sind für uns Betroffene sehr wichtig, aber da gibt es kaum allgemeine Standards und Kriterien.“ Wilmers gute Vernetzung nach Rom nimmt Max Ciolek aus Osnabrück in den Blick: „Als Vorsitzender der DBK, die international ja Gewicht hat, sucht er hoffentlich auch das Gespräch mit anderen Bischofskonferenzen, in denen Betroffene bisher kaum wahrgenommen und gehört werden.“
[Der Betroffenenrat Nord setzt sich aus primär und sekundär Betroffenen sexualisierter Gewalt im Kontext der katholischen Kirche zusammen, die sich gemeinsam als Expert:innengremium von und für Betroffene verstehen, u.a. für Aufarbeitung, Intervention und Prävention. Er wurde 2022 gebildet.]
